Über mich

13. Juni 2016

Sommer 2011, Schwäbisch Gmünd

Mathe mit Moh-Staatsexamen

Mein Name wird aufgerufen. Meine Hände schwitzen. Neben mir stehen Freunde, Familie und andere Personen auf und klatschen. Ich gehe auf die Bühne schüttle einigen Menschen vom Kultusministerium die Hände. Einer dieser Herren überreicht mir ein Papier. Circa vier Jahre lang nach meinem Abitur habe ich auf diesen Moment hingearbeitet. Ich halte mein Staatsexamen in den Händen.

Yeah ich habe es geschafft – Ich bin jetzt Lehrer. Ich grinse und dachte an Herrn Kaiser, meinen Lehrer.

 

Winter 2000, Rottenburg 9. Klasse

Ich halte mein Zeugnis in den Händen. Frau S. schaut mich kopfschüttelnd an und sagt: „ Moh, so wird das nix in der 10ten. Vielleicht solltest du wiederholen.“

Natürlich gab ich vielen Lehrern die Schuld. Was soll man denn sonst den Eltern erzählen bei vier 4ern und einer 5. Und natürlich glaubten sie mir nicht. Tatsächlich glaubte ich mir ja selber nicht. Ich war bis dato ein durchschnittlicher Schüler. Ich langweilte mich in den meisten Fächern, habe nur gelernt wenn es sein musste und vergaß das meiste nach einer Klassenarbeit. Manchmal hat es geklappt und oft nicht. Und wenn ich mich mal hingesetzt und stundenlang gelernt habe, dann habe ich trotzdem eine schlechte Note erhalten. Das hat natürlich meine Motivation zu lernen nicht gestärkt, wie du dir sicherlich denken kannst.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich auf jeden Fall Abitur machen möchte. Ich wusste aber auch, dass ich mit meinen Noten so nicht weitermachen konnte. Ich habe meinen Eltern versprochen, mich dieses Schuljahr mehr anzustrengen.

Winter 2000 – Mein letzter Ausweg !

Eins war mir klar, ich musste mir Hilfe holen. Einer, der mir erklärt, wie ich am besten lernen kann und mir Algebra und Englisch Grammatik nochmals erklärt. Meine Eltern kannten zum Glück einen pensionierten Lehrer. Herr Kaiser war 62 Jahre alt und sprach sehr leise. Er korrigierte mich schon beim ersten Treffen mit „das heißt nicht was, sondern wie bitte“ in einem sehr strengen Ton.

Ich wollte einfach nur weg. Vielleicht schaffe ich das doch alleine und lerne einfach länger, dachte ich mir nach dem ersten Treffen. Heute bin ich froh, dass ich zum zweiten Treffen ging. Und es wurden mehr.
Herr Kaiser verlangte viel, war aber immer fair. Ich habe bis dahin noch nie einen Lehrer getroffen, der so sympathisch und überzeugend war. Herr Kaiser zeigte mir, wie ich am besten lernen sollte. Er zeigte mir Techniken, wie ich Lerninhalte besser strukturieren und somit merken konnte. Zum Beispiel lernte von ihm, dass jeder Mensch ein anderer Lerntyp sei.

Wir trafen uns zweimal die Woche. Ich setze seine „Tipps und Tricks“ um und strengte mich an. Das ABI in der Tasche zu haben war fortan mein großes Ziel. Daher schrieb ich mir das Wort ABI ganz groß auf ein Blatt Papier und hing es an die Wand über meinem Schreibtisch.

Am Ende des Schuljahres habe ich aus den vier 4ern und der fünf – fünf 2er gemacht. Drei Jahre später erhielt ich mein ABI und fünf Jahre später mein Staatsexamen für das Lehramt Realschule.

Heute…

Moh-Lehrer, Dozent und Lerncoach

…bin ich Realschullehrer, Dozent und Lerncoach.
Ich habe über 400 Schülerinnen und Schüler motiviert und gelehrt.
Und heute kann ich ich mit Überzeugung sagen, dass wir in allem gut werden können. Es kommt weit mehr auf die Übung als auf das Talent an, denn Lernen muss man lernen.

Talent ist Übung und Übung macht den Meister.